Spruch Charlie Chaplin
Spruch des Monats

Spruch des Monats – September 2017

2. September 2017

Der Spruch des Monats September 2017 ist eigentlich kein Spruch sondern vielmehr Teil eines Gedichtes von Charlie Chaplin. Er soll es an seinem 70. Geburtstag am 16. April 1959 geschrieben haben.

Vor einigen Jahren hat mir eine sehr eindrucksvolle Frau diesen Text geschenkt und ich war sofort fasziniert von den Worten. Seither hing das Gedicht viele Jahre an meiner Pinnwand, bis ich es irgendwann in mein Gedankenbuch eingeklebt habe (in das nur wertvolle Gedanken Einzug erhalten).

Bei meiner 1. eigenen Yogastunde neulich mit Freunden – bei der es um das Thema Liebe ging – habe ich es mal wieder nach langer Zeit ausgegraben und am Ende nach Savasana (die Endentspannung) vorgelesen. Beim Thema Liebe darf die Selbstliebe nicht zu kurz kommen, dachte ich …

Ich war tatsächlich überrascht, dass meine Freundinnen den Text nicht kannten und sie waren so berührt davon, dass ich glaube, es lohnt sich vielleicht doch ihn hier als Spruch des Monats mit dir zu teilen.

Denn selbst wenn man den Text bereits kennt, kann man jedes Mal wieder etwas Neues darin finden. Zumindest geht mir das so. Ich bin immer wieder überrascht, wie viel man doch aus einem bereits so vertrauten Text rausziehen kann. Bei mir ist das je nach Lebenssituation immer mal eine andere Zeile, die mich besonders anspricht.

Als ich mich selbst zu lieben begann …

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden,
dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist –
von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man VERTRAUEN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen,
dass emotionaler Schmerz und Leid nur Warnung für mich sind,
gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich, das nennt man AUTHENTISCH-SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich nach einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man REIFE.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich meiner freien Zeit zu berauben
und ich habe aufgehört,
weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mach ich nur das, was mir Spaß und Freude bereitet,
was ich liebe und mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man EHRLICHKEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von allem, das mich immer wieder hinunterzog,
weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das GESUNDEN EGOISMUS,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt, das nennt man DEMUT.

Als ich mich selbst zu lieben begann.
habe ich mich geweigert,
weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur mehr in diesem Augenblick,
wo ALLES stattfinden.
So lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
da erkannte ich,
dass mich mein Denken armselig und krank machen kann,
als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner.
Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen zu fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander
und es entstehen neuen Welten.
Heute weiß ich, DAS IST DAS LEBEN!

(Charlie Chaplin)

Sich von allem befreien, was nicht gesund für einen ist …

Momentan spricht mich diese Zeile besonders an, weshalb ich einen Auszug davon auch zum Spruch des Monats September gemacht habe:

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von allem, das mich immer wieder hinunterzog,
weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das GESUNDEN EGOISMUS,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.

Sich zu befreien von Speisen, Menschen, Dingen und Situationen, die nicht gesund für einen sind, ist gar nicht so einfach und fordert sehr viel Ehrlichkeit. Ehrlichkeit mit sich selbst und mit anderen.

Ein Prozess, der mich momentan oft herausfordert. Man stößt damit in gewisser Weise an der ein oder anderen Stelle durchaus mal Menschen „vor den Kopf“, was mir als absoluter Harmoniemensch (mein Dozent hat es mal als „harmoniesüchtig“ bezeichnet) besonders schwer fällt.

Durch meinen neuen beruflichen Weg, meine Ausbildungen, den Blog und meine Kontaktfreudigkeit habe ich in den letzten zwei Jahren viele ganz unterschiedliche und wunderbare Menschen kennengelernt. Eine Situation, die ich als offener und kommunikativer Mensch durchaus schätze.

Dennoch ist mein soziales Umfeld dadurch auch noch größer geworden, was auf der einen Seite super schön ist, mich auf der anderen Seite manchmal ganz schön überfordert. Ständig unterwegs sein, Einladungen hier und da, ein offenes Ohr für die vielen Menschen haben und dabei auch noch bei mir selbst bleiben? Ich musste mir eingestehen, dass das in dem Umfang nicht mehr möglich ist …

  • Aber kann ich zu den Dingen denn „Nein“ sagen, Grenzen setzen, Termine absagen, um mehr Zeit für mich zu haben? Oder ist das egoistisch?
  • Darf ich mein Bedürfnis nach mehr Ruhe und weniger „rumgewusel“ laut aussprechen ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen?
  • Kann ich zum Yoga gehen ohne schlechtes Gewissen, wenn mich jemand nach einem Slot in meinem Terminkalender fragt und ich fühle, dass ich gerade einfach ein wenig Rückzug brauche?

Wenn mir eine Freundin oder ein Klient diese Fragen stellen würde, wäre meine Antwort ganz klar: „JA! Man muss auch auf sich selbst achten, mal innehalten und sich mit sich selbst beschäftigen, um genügend Kraft und Aufmerksamkeit für die Dinge im Außen zu haben.“

Aber bekanntlich ist es immer einfacher, dies jemandem anderen zu sagen, als es sich selbst zu erlauben …

Durch meinen neuen Ausbildungsweg mit Psychologie, Psychotherapie und Yoga und vielleicht auch durch das Teilen meiner eigenen Geschichte merke ich mehr und mehr, dass ich für viele Menschen zu einem Ansprechpartner geworden bin. Menschen, die ich kenne und teilweise sogar nicht kenne. Menschen mit kleinen und großen Sorgen, die sich manchmal vielleicht auch mit meiner eigenen Geschichte identifiziert fühlen, sich austauschen und gerne mehr Zeit von mir wollen.

Versteh‘ mich bitte nicht falsch, denn ich liebe Austausch und finde ihn unglaublich wichtig, aber dennoch musste ich feststellen, dass es auch zu viel werden kann. Nämlich dann, wenn die Zeit nicht mehr reicht, die Dinge zu verarbeiten. Dann ist man auch kein guter Ansprechpartner und erst recht kein guter Zuhörer mehr.

Anfangs habe ich mich vielleicht sogar noch geschmeichelt und gut dabei gefühlt, dass sich so viele – teilweise sogar mir unbekannte Menschen – an mich wenden, mir ihre Geschichten erzählen, ihr Leid teilen und sich austauschen wollen. Mein Helfersyndrom wurde ordentlich gefördert. Mittlerweile sehe ich dieses jedoch deutlich kritischer, was vielleicht auch mitunter daran liegt, dass ich mich viel mit Rogers und der Humanistischen Psychologie auseinandersetze, die u.a. an die Selbstverantwortung appelliert.

Ja, ich interessiere mich für Menschen und ihre Wege – sehr sogar. Und trotzdem brauche ich mehr und mehr auch Zeit für mich. Zeit, die Dinge zu verarbeiten, Zeit, meine eigenen Themen voran zu treiben und auch mal Zeit, nicht über die großen Lebens- und Sinnthemen zu philosophieren.

Oft höre ich von Menschen in meinem Umfeld, die es durchaus gut mit mir meinen, dass ich aufpassen soll, nicht zu viel zu arbeiten und gleichzeitig zu machen. Ja, ich mache mit Studium, meinen beiden Ausbildungen, Ehrenamt, Blog und freiberuflichen Projekte momentan ziemlich viel parallel. Für mich gehören die Dinge aber unzertrennlich zusammen, es gibt mir unglaublich viel und es fühlt sich (zumindest meistens) richtig an.

Zu viel wird mir vielmehr manchmal meine eigene Umtriebigkeit, Begeisterungsfähigkeit und damit auch meine Schwäche zu Dingen „Nein“ zu sagen, die vielleicht gerade nicht gut und damit auch nicht gesund für mich sind.

Ich möchte mehr Platz schaffen, lernen meine Zeit realistischer einzuschätzen, auf meine Bedürfnisse hören, hier und da Grenzen setzen, mit meinen Kräften besser haushalten und mir damit mehr Selbstliebe erlauben, ohne mich dabei gleich selbst mit dem Wort „Egoismus“ zu bestrafen.

Ja, ich brauche vielleicht mehr Ruhe und Zeit für mich als früher. Vielleicht weil ich mich beruflich nun mit tiefgreifenden (Lebens-)Themen beschäftige, die mehr mit mir machen und mehr Reflexionsarbeit benötigen, als mein alter BWL-Weg. Vielleicht auch, weil ich ehrlicher zu mir selbst geworden bin, bewusster Dinge wahrnehme und Stück für Stück anfange, mich selbst mit meinen Bedürfnissen mehr zu lieben …

Weniger kann so viel mehr sein!

Bleib gesund

Louisa

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2 Kommentare

  • antworten Desiree 3. September 2017 at 8:07

    Liebe Louisa,
    welch wunderbarer Text!!! Du sprichst ein Dilemma an, indem sich meiner Meinung nach viele Menschen (aka ich) befinden, die im therapeutischen Bereich verankert sind. Dieser Bereich ist so voller spannender Ansätze und es ist eine Wohltat zu erfahren, dass man mit seinen Werkzeugen und Haltung anderen Impulse geben kann. Das macht den Beruf zum Glück zur Passion oder vielleicht sogar Berufung. Auf der anderen Seite legen wir (oder zumindest ich, um therapeutisch korrekt bei ich-Botschaften zu bleiben) an uns (mich) selbst oft höhere Maßstäbe an als an andere. Was für eine schöne Erkenntnis, dass wir es für andere (Klienten) meist besser wissen….und es macht auch etwas demütig. Ich jedenfalls kann die Bemühungen anderer, etwas in ihrem Leben zu ändern sehr viel mehr er- und anerkennen, wenn mir bewusst ist wie schwer es mir fällt, mich abzugrenzen und nein zu sagen.
    Liebe Grüße aus dem Süden

    • antworten Louisa Flocke 3. September 2017 at 18:15

      Liebe Desiree,

      dank dir! Ja, das ist wirklich ein Dilemma, in dem sich sehr viele Menschen – vor allem im sozialen Bereich – befinden. Aber das macht das Ganze ja auch irgendwie spannend und ist vielleicht ein Prozess, der dazu gehört und den es anzunehmen gilt. Wenn du gute Strategien zum Thema Abgrenzung, „Nein“ sagen etc. kennst: immer her damit :-).

      Sonnige Grüße aus Mainz
      Louisa

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