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Weltgesundheitstag 2017: Wir müssen über Depressionen reden

7. April 2017 – von

Heute ist Weltgesundheitstag. Anlässlich des Gründungsdatums der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 1948 findet jährlich am 7. April der Weltgesundheitstag statt. Jedes Jahr soll an diesem Tag ein vorrangiges Gesundheitsproblem in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit gerückt werden. Das Thema für 2017 lautet:

„Depression: let’s talk“

Damit wird zum ersten Mal die Aufmerksamkeit auf eine psychische Krankheit gelenkt: Depression – eines der häufigsten psychischen Leiden weltweit.

Das Motto des Weltgesundheitstages 2017 wurde am 10. Oktober 2016, dem Welttag für psychische Gesundheit, bekannt gegeben.
Seitdem läuft die von der WHO groß angelegte „Depression: let’s talk“ Kampagne, die nun am Weltgesundheitstag ihren Höhepunkt erreichen soll.

Ziel ist es, Betroffene, aber auch deren Familien, Freunde und Kollegen zu informieren, die Öffentlichkeit über Ursachen, Konsequenzen und Möglichkeiten der Prävention und Behandlung aufzuklären sowie Diskussionen on- und offline anzuregen. Auf der Webseite der WHO für Europa heißt es:

„Wir müssen offen über Depressionen reden, um Bewusstsein und Verständnis zu schaffen und Stigmatisierung zu bekämpfen.“

Da ich mich im Rahmen meiner Ausbildung zum „Heilpraktiker für Psychotherapie“ sowie meines laufenden Masterstudiums der „Prävention und Gesundheitspsychologie“ zunehmend mit dem Thema Depressionen und deren Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und vor allem Vorbeugung und Prävention beschäftige, möchte ich diese sehr berührende Kampagne hier auf meinem Blog mit dir teilen und die WHO in ihrem Vorhaben unterstützen.

Ein paar Fakten zum Thema Depression

Die WHO geht derzeit davon aus, dass weltweit ca. 350 Millionen Menschen aller Altersgruppen von Depressionen betroffen sind. Das sind mehr als 4,4 % der Weltbevölkerung und 18 % mehr als noch zehn Jahre zuvor.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit und der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. zum Thema Depression wird beschrieben, dass eine überdurchschnittliche Belastung mit chronischem Stress mit einem um mehr als das Doppelte erhöhten Risiko für eine Depression einhergeht. Bei starkem chronischen Stress ist die Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken sogar um ein Vielfaches erhöht. Dies sei im Vergleich zu anderen psychischen Störungen besonders hoch.

Unterschätzte Krankheit Depression …

Die Krankheit Depression wird häufig unterschätzt oder verharmlost, nicht rechtzeitig erkannt oder als kurzzeitige emotionale Anpassungsreaktion klein geredet und nicht ernst genommen. Natürlich gibt es je nach Anzahl und Schweregrad der Symptome große Unterschiede (man unterscheidet nach dem ICD-10 Diagnose­klassifikationssystem zwischen leichten, mittelgradigen und schweren Episoden), dennoch sind diese in jedem Fall ernst zu nehmen.

Es gibt Hinweise dafür, dass insbesondere die Häufigkeit leichter Depressionen in den letzten Jahrzehnten stetig zunimmt und sich das Erkrankungsalter nach vorne verlagert. Veränderte Lebensbedingungen wie andere Familienstrukturen, Leistungsanforderungen usw. werden damit in Verbindung gebracht. Außerdem wird von einer geringeren Bereitschaft, psychisches Unwohlsein zu ertragen, einer erhöhten Hilfserwartung sowie einer zunehmend besseren Detektierung depressiver Störungen bei den Ärzten gesprochen. (Lieb et al., S. 148 f. *)

Das Lebenszeitrisiko, an einer depressiven Episode zu erkranken liegt zwischen 16 und 18 %. Ein Thema, welches uns also alle interessieren sollte.

… mit weit reichenden Folgen

Insbesondere bei lang anhaltender Erkrankungsdauer können Depressionen unabhängig vom Ausprägungsgrad zu einem schlechten gesamtgesundheitlichen Zustand führen. Schweres Leiden und Schwierigkeiten in Arbeitsleben, Schule und Familie sind häufig die Folge. Im schlimmsten Fall folgt der Suizid. Die WHO spricht von 800.000 Suiziden jährlich weltweit (rund 128.000 davon in der europäischen Region), bei denen Depressionen eine der führenden Ursachen sein sollen.

Depression ist der Hauptgrund für Arbeitsunfähigkeit weltweit und verursacht damit einen großen Anteil der durch Krankheiten erzeugten Gemeinkosten. Nicht zuletzt deshalb interessiert sich auch die Wirtschaft zunehmend für dieses Thema.

„Nicht zu handeln wäre teuer, denn die wirtschaftlichen Kosten von Depressionen und anderen psychischen Störungen sind in erster Linie wegen der Fehlzeiten und der verringerten Produktivität enorm.“ (Dr. Dan Chrisholm, Leiter des Programms für psychische Gesundheit am Regionalbüro für Europa der WHO)

Obwohl es anerkannte und wirksame Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten gibt, erhalten weniger als 50 % der Betroffenen, in vielen Ländern sogar weniger als 10 %, eine ausreichende Behandlung. Gründe hierfür sind neben dem Mangel an Ressourcen und entsprechend qualifizierten Angeboten der Gesundheitssysteme auch soziale Stigmata, fehlendes Wissen und Vorurteile.

Deshalb halte ich es für wichtig, Aufklärungsarbeit zu unterstützen, Bewusstsein und Verständnis für diese Krankheit zu schaffen und in einen gesellschaftlichen Dialog zu treten.

Der schwarze Hund namens Depression

Neben zahlreichen Informationen wie Handouts zu den Themen „Was sind Depressionen?“ umfasst die „Depression: let’s talk“ Kampagne der WHO zahlreiche Poster zum downloaden, Aktionen zum mitmachen, Materialien zum Teilen auf Social Media und tolle Videos.

Besonders berührt haben mich die beiden Videos, die eine Depression mit einem schwarzen Hund vergleichen. Es gibt ein Video für die Betroffenen selbst („I had a black dog, his Name was Depression“) und fast noch wichtiger: ein Video für die Angehörigen („living with a black dog“), dass dir zeigt, wie du am besten mit einem depressiven Menschen in deinem Umfeld umgehst und was du vermeiden solltest.

Das Video für die Betroffenen

Das Video für die Angehörigen

Noch mehr Informationen zum Thema Depressionen

Noch mehr Informationen zum Thema Depression findest du auf der deutschsprachigen Seite zum Weltgesundheitstag der WHO und der internationalen Kampagnenseite „Depression: let’s talk“.

Außerdem hat MyTherapy gemeinsam mit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe eine informelle Infografik erstellt, welche aufklärt und wichtige Anlaufstellen aufzeigt.

In den kommenden Wochen werde ich auf jeden Fall noch einmal tiefer in das Thema Depressionen und deren Abgrenzung zum Burnout einsteigen. Im Mai 2017 mache ich nämlich eine einwöchige Weiterbildung zum „Burnout-Berater“ und werde viel über Ursachen, Unterschiede und vor allem Prävention, Frühwarnzeichen und Behandlung lernen und dieses Wissen dann mit dir teilen.

Bleib gesund

Louisa

 

* Lieb, K./Frauenknecht, S./Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie, 8. Auflage, 2015, München.

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